Artikel-Schlagworte: „Schauspiel Essen“

Am Anfang war nix

Sonntag, 1. Juli 2012

„Am Anfang is´ nix – ma gucken was dann“…Treffender hätte man einen Titel für die Präsentation des Theaterlabors Essen nicht wählen können. Von Klaviermusik begleitet schlossen die Gastgeber einen langen, harten und sehr intensiven Tag würdig ab.

Begrüßt wurde das Publikum von zwei Moderatoren die „Der Hahn ist tot“ anstimmten, um die Zuschauer aufzuwärmen und aufzulockern.

Wie der Titel schon sagt, „am Anfang is´ nix“, nur die Vorgabe, dass es sich im heutigen Impro-Stück um einen Krimi drehen sollte. Auch gab es keine Schauspieler, die auf Vorgaben des Publikums reagieren mussten, nein. Die einzelnen Rollen wurden mit Freiwilligen aus dem Publikum besetzt.

Die Ermittler, die sich nach einem ehemaligen Techtelmechtel zutiefst verabscheuen, mussten den grausamen Mord an einem fünfjährigen Kleinkind auflösen, der in der Kantine mit einem Löffel zu Tode geprügelt wurde.

Agent Sturm und seine Kollegin Uschi führten viele Verhöre durch, sprachen über Fußpilz und einige heiße Spuren, bis der Verdacht, wie immer, auf den Gärtner fiel.

Am Anfang is´ nix - ma gucken was dann. Foto: Sara Hoffmann.

Doch dieser war zur Tatzeit mit Ermittlerin Uschi zusammen und am Ende konnte nur eine Aussage der tourettekranken Kantinen-Chefin Petra den Fall aufklären und den wahren Bösewicht festsetzen, der in einer spektakulären Sackhüpf-Verfolgungsjagd schließlich von Agentin Uschi gestellt wurde.

Nach eifrigen „Zugabe!“-Rufen endete der Impro-Abend in einer Runde Impro-Theater offen für alle.

Die Szenen waren sehr schön anzusehen und besonders Agent Sturm zeichnete sich durch Wortwitz, dramatische Emotionsausbrüche und den ein oder anderen frechen Spruch aus und erntete reichlich Gelächter und Lob der Zuschauerschaft.

Auch Tourette-Petra hatte einen ausgezeichneten, leider zu kurzen Gastauftritt und auch das Moderatoren-Duo sorgte für einen unterhaltsamen Einstieg.

Wie nicht anders zu erwarten (man bedenke: Die Akteure waren Impro-Amateure) gab es einige „Blocks“ (verneinen von Möglichkeiten) und langatmige Situationen, die aber dank des weisen Einschreitens der Moderatoren nicht zu oft auftraten.

Die Vorgaben des Publikums waren meist gut und über der Gürtellinie, was dem Stück auf jeden Fall eine Menge gebracht hat.

Es war ein durchweg unterhaltsamer Impro-Abend, durchzogen von guter und stimmungsvoller Klaviermusik und einigen Schenkelklopfern, die den Zuschauer mit einem Lächeln auf dem Gesicht in die Nacht entließen und den Tag angemessen beendeten.

Der Impro-Abend hat besonders durch die Zugabe Lust auf mehr Improvisations-Theater gemacht und durchwegs gut unterhalten und amüsiert.

Am Anfang is´ nix - ma gucken was dann (Zugabe). Foto: Sara Hoffmann.

Die Leistungen der Akteure waren oft überraschend gut und die vielen Blocks waren zwar ein kleines Manko, aber alles in allem war es doch ein schöner Abend.

Und die Moral von der Geschicht: Über Fußpilz lacht man nicht!

Moritz Pollok (Bühnenakteur bei “E-Motion :-) – Was bewegt dich?” des Jungen Schauspielhaus Bochum)

Anstatt Schule und Stadt als Bühne – Ein Protokoll zu einem Experiment

Sonntag, 1. Juli 2012

 

Am Anfang treffen sich alle jungen Schauspieler des Ruhrgebietes in der Casa. Das ist vielleicht ein Gewusel. Überall stehen und sitzen junge Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie spielen dieses Wochenende alle Theater. Ihre, meist eigenen Produktionen, werden in Essen auf die Bühne gebracht.

Doch was kann man eigentlich erst einmal machen, damit sich die jungen Erwachsenen aus dem ganzen Ruhrgebiet kennenlernen?

Stadt als Bühne - Aktion 8. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 6. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 5. Foto: Sara Hoffmann.

Während des Unruhr Festivals wird ein Experiment durchgeführt: „Anstatt Schule“. Denn die Jugendlichen sind schließlich nicht in der Schule, sondern verbringen vier Tage lang im Theater.

Als erstes stellt man sich in Kleingruppen vor, redet über Arbeitsweisen und die Arten, in denen Projekte entstanden sind, über die Planung und die Inszenierung. Manch eine Gruppe übt drei Monate für ihr Stück, eine andere setzt sich sieben Monate lang mit ihrem Stück auseinander.

Es entsteht ein reger Austausch zwischen den Schauspielern zu Fragen wie: Wer schreibt die Texte, was soll das Stück bewirken, wie liefen die Proben ab und was macht man, wenn Leute krank werden.

 

Stadt als Bühne - Aktion 4. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 3. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 2. Foto: Sara Hoffmann.

 

Außerdem sollen sich die jungen Schauspieler eine Performance oder eine Interaktion mit Passanten ausdenken, die zeigt, wie man Arbeitsweisen aus den Proben auf den Schulunterricht adaptieren kann, um ein besseres Lernklima zu erschaffen.

Nach dem Zusammentragen der verschiedenen Ideen wird noch angeregt über das Schulssystem diskutiert. Noten und Leistung seien heutzutage sehr wichtig, so würde viel Druck auf die Schüler erzeugt. Dieser sei eher unproduktiv und würde sich negativ auf einen auswirken.

 

Am darauffolgenden Tag ist es Aufgabe, die am Tag zuvor entstandenen Ideen in einer Performance in der Essener Innenstadt zu präsentieren.

Interviews zu den Ideen für Stadt als Bühne

 

Man läuft in Zweierreihen durch die Fußgängerzone und singt zu „Aus den Blauen Bergen kommen wir, unser Lehrer ist genauso dumm wie wir….“ seine selbst weitergetexteten Strophen. So entstehen lauthals vorgesungene Strophen wie „mit dem Pickel auf dem Zinken, sieht er aus wie`n roher Schinken“ oder „mit List und Tücke schreiben die ne vier, wir Schüler sind ja klüger mit dem Spickertrickbetrüger“.

 

Stadt als Bühne - Aktion 1. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 9. Foto: Sara Hoffmann.Stadt als Bühne - Aktion 7. Foto: Sara Hoffmann.

 

Von einem Präsentationsort geht es zum Nächsten. Mit bunter Kreide wird der Boden des Willy Brandt Platzes mit Assoziationen zu Schule und Theater bemalt, es werden Menschenpyramiden gebaut, die Liedtexte währenddessen vorgetragen und Schulszenen nachgespielt.

In diesen zwei Tagen ist eindeutig klar geworden, dass man das schulische Arbeiten der Lehrer nicht auf die Erarbeitung einer Theaterproduktion anwenden kann.

 

Erst wenn der Lehrer von seiner steifen, verschulten Methode absieht und beginnt, mit den Jugendlichen auf einer Ebene zu arbeiten, kann ein Lern- und Übungsprozess beginnen.

Ein Geben und Nehmen von Ideen und Methoden seitens des Lehrers und des Jugendlichen ist wichtig.

Erst, wenn eine Harmonie zwischen beiden entsteht, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, ist es möglich, produktiv und effizient zu arbeiten.

 

Shannon hat die AkteurInnen im Anschluss nach ihren Eindrücken und Erfahrungen befragt:

Wie war´s?

Camilla L.

Ein avantgardistischer Stromausfall

Freitag, 29. Juni 2012

Shannon munkelt verdunkelt

Ich freue mich. Ja, ich freue mich ungemein! „Ein klassisches Drama“ habe ich als hausinterner „Young Expert“ natürlich schon öfters gesehen (ob nun bei Generalproben oder Vorstellungen), aber da dort nur Freunde, nein schon eher Familie, auf der Bühne steht, bin ich mindestens so aufgekratzt wie die Akteure selbst.

Noch beleuchtete Anzugträger. Foto: Sara Hoffmann.

Die Jacke öffnen, mit Knöpfen spielen, durchatmen, cool mit der Sonnenbrille wackeln – Das könnte ich mir stundenlang ansehen! „Tja, dann könn’ wa ja jetzt essen gehen!“ folgert Troll (Jan G.) aus der Situation.

Der Einlass ist wunderbar wie eh und je. Die Schauspieler begleiten das Publikum persönlich zu ihren Plätzen, reden höflich mit den Gästen des Hauses und quatschen vertraut mit uns, den „Mitleidenden“. Bei all der Aufregung des Festivals habe ich es komplett verpeilt irgendwem auch nur irgndwie alles Gute für die Vorstellung zu wünschen, verdammt!, aber jetzt ergreife ich die Chance dem Ensemble „Ungehorsam“ schnell noch Toi! Toi! Toi! zu sagen.

Wie bei jeder Aufführung von „Ein klassisches Drama“ befremdet mich der Anblick von elitären Anzugträgern, die dem Publikum chorisch und strikt entgegenpfeffern, dass es jetzt wohl eine Theateraufführung erwartet, sonst wäre es ja nicht hier.
Wir, das Publikum, sind ertappt. 

Wir werden aufgefordert doch mit rüber ins Vapiano zu kommen, ein bisschen Lasagne schadet nicht, und tatsächlich scheint das Publikum kurz zu überlegen, ob es aufstehen soll, um dem Trupp zu folgen, der wirr plappernd die Bühne verlässt. Von meinem Platz im Seitenflügel aus sehe ich eine Frau in der ersten Reihe, die sich schon die Tasche über die Schulter schmeißt, und ich bin ernsthaft erleichtert, als sie endlich zu merken scheint, dass da doch noch jemand auf der Bühne zurück geblieben ist, „der Stellung hält“.

Hirsch (Elif T.) steht heute Abend viel länger einfach nur da, atmet ein und aus, und noch einmal ein und wieder aus, räuspert sich, zieht die Hosenträger lang, und sorgt so nur mit ihrer Mimik und Gestik für einige Lacher. Gefällt mir bis hier her, was die so an Kleinigkeiten geändert haben.
Ihren Monolog kann ich im Kopf schon mitquatschen, was bei mir keines Wegs für Langeweile sorgt! Aber als das Licht PAM! einfach so aus geht, krieg ich schon einen kleinen Schock. Immerhin weiß ich, wie es aussieht, wenn auf der Bühne das Licht ausgehen soll. Und ich weiß auch, dass die Technik hinten in solchen Bühnensituationen garantiert nicht im Finstren sitzen sollte. Aber genau das tut sie. Und das ist nicht gut.
„… und wisster eigentlich wie krass das für mich ist? Ich mein, ich steh hier alleine auf der Bühne… das Licht ist aus… und…“ macht Hirsch nach einer kaum merkbaren Pause souverän weiter. Erst als Frank Röpke, Theaterpädagoge, sie von hinten unterbricht, hört sie auf, allen in dieser Situation den Arsch zu retten. Und ganz leise hör ich bis zu mir wie sie ausatmet und „Ich hab Angst…“ flüstert. O Elif, ich will dich drücken!

Hirsch zieht im Dunklen die Hosenträger lang. Foto: Sara Hoffmann.

„Wir haben fast im ganzen Gebäude einen kompletten Stromausfall.“ erläutert Frank. Wir warten, wir warten, ja wir warten, aber warten bringt uns den Strom leider nicht zurück und Herr Tombeil, unser Intendant, höchst persönlich entschuldigt sich für das Missgeschick, bittet das Publikum, trotz Dunkelheit ruhig zurück ins Foyer zu gehen.

Klar ist, dass ich als aller erstes auf die Bühne latschen muss (Hemmungen? Nö!) um Elif einmal fest zu umarmen, aber vor allem um ihr meinen Respekt auszudrücken. Super Reaktion, ja, genau, so was lernt man hier im Theater Labor!

Carstens Licht-Blicke

Und wusch – alle stehen im Foyer. ALLE! Bei diesem schwülen Klima. Deswegen gibt’s erstmal Freigetränke für alle und dann, als alle erfrischt genug waren, sammelt Herr Tombeil Ute Schäfer (Landesministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) und Oberbürgermeister Reinhard Paß um sich. Nochmal geht es um den Stromausfall (der tatsächlich im ganzen Gebäude gewütet hatte – Lasagne im Vapiano wäre also auch unklug gewesen) und dann übernimmt Frau Schäfer das Wort. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass im Foyer ganze zwei Birnen brannten und deswegen zwei Taschenlampen den hohen Besuch erleuchteten? Nun, so war es und genau in dem Moment, in dem die Kulturministerin „Unruhr 2012“ offiziell eröffnen wollte, übergibt mir Frank eine der Maclights. Sein Arm war schwer geworden. Ich hingegen bin lässig-klug genug, die Kampftaschenlampe auf meiner Schulter abzulegen und so ganz gediegen die örtliche Politik anzustrahlen.

Anders beleuchtete andere Anzugträger im Spotlicht. Foto: Sara Hoffmann.

Und so stehe ich da. Angelehnt an eine Wand, eine Taschenlampe an meine Schulter gelehnt und die Worte der Ministerin an die aktuelle Situation angelehnt: „Wahrlich ein klassisches Drama“ trifft’s genau!

Nachdem sie die Gruppen, die am Festival teilnehmen, vorgestellt hat (und dabei das KJT vergaß), wandert mein Lichtkegelzepter weiter auf OB Paß und der versichert uns mit einem Zwinkern, dass die Stadt alle Stromrechnungen bezahlt hat.

Abschließend verweist Herr Tombeil auf den genesenen Frank, der verkündet, dass das klassische Drama heute definitiv nicht mehr aufgeführt werden kann. Aber vielleicht findet man im Laufe der Tage noch eine Lücke oder verschiebt das Stück auf ein anderes Wochenende. Irgendwie bekommen wir aber noch den Rest von Hirsch zu sehen und glaubt mir – das waren noch längst nicht alle Moves vom Hirsch!

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Wie wir grade erfahren haben, könnt ihr schon heute (Freitag) in den Genuss eines unter Strom stehenden klassischen Dramas kommen! Die Vorstellung findet um 20:30 Uhr statt!

Allen weitersagen!

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Willkommen

Donnerstag, 28. Juni 2012

Noch knapp zwei Stunden, dann kommt Unruh®, …

Unruhr2012. Tag 1. Fühlt euch wie zuhause. Photo: Sascha Westphal.

Willkommen im Grillo

Du bist neu hier?

Du fühlst dich fremd?

Einsam?

Unsicher?

Wieso? Weshalb? Warum?

Du bist in Essen

Du bist im Grillo

Du wirst herzlich aufgenommen

Du wirst schnell alles kennenlernen

Du wirst nette Leute treffen

Fremd hier?

Nein, denn alle heißen dich willkommen.

In Essen

Im Grillo

Im Sommer

Im Stehen

Im Sitzen

Im Schweigen

Im Reden

Im Rennen

Im Regen

Fühl dich wie zu Hause,

geh in die Cafeteria,

Ins Foyer,

geh in die Box,

spiel dein Spiel.

Hab Spaß und fühl dich herzlich willkommen.

Denn wir wollten, dass du kommst und nun bist du gekommen

zum willkommenen Willkommen.

Wir heißen dich herzlich willkommen zu deinem gewollten Kommen und

freuen uns, dass du hier bist.

Alles kann beginnen.

Hier

Jetzt

…. Und Spiel….

Von Camilla L.

Unruh®-Festival

Dienstag, 26. Juni 2012

Am Donnerstag geht es hier los mit einem Blog zum Unruh®-Festival 2012 am Schauspiel Essen. Junge KritikerInnen werden für euch berichten. Viel Spaß wünscht die Redaktion der “jungen bühne”!

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