Text des Monats

INTERVIEW MIT DER KINDER-JURY DES 25. KINDER- UND JUGENDTHEATERTREFFENS NRW

 

Von Nicola Schubert. Der Text entstand im Rahmen des Festival-Blogs der Jungen Bühne

 

Es ist viel darüber diskutiert worden, das Totschlag-Argument war immer: Es ist ein Arbeitstreffen, es ist eine Werkschau. Gut. Verständlich. Deshalb sind wir ja auch hier. Und trotzdem kann man die Frage nicht verdrängen: Wird dem jungen Zielpublikum nicht irgendwie das Urteilsvermögen abgesprochen? Warum diskutieren hauptsächlich die sogenannten Experten, die selbst nicht das Zielpublikum sind? Ein vermeintliches Zugeständnis: Die Kinder- und Jugendjurys. Sie vergeben zwei Publikumspreise im Wert von jeweils 1000 Euro. „Anhand der Urteile der Jurys kann man sehen, ob man die Meinung der Kinder und Jugendlichen im Vorfeld richtig eingeschätzt hat“, sagt Theaterpädagogin Kathrin Lehmann. Im Gespräch werden zwei Dinge deutlich. Erstens: Die Theaterpädagogen Kathrin Lehmann und Michael Schmidt haben sich intensiv mit den Jurys vorbereitet. Zweitens: Es war ihnen wichtig, die Kinder und Jugendlichen zu keinem Zeitpunkt zu beeinflussen. Sie sollen unvoreingenommen entscheiden. Um die Kinderjury, die sich zum Teil aus Mitgliedern der Kinderclubs zusammensetzt, kennenzulernen, erklärten sich die Juroren zwischen 6 und 11 Jahren zum Interview bereit.
 
Wie geht es euch heute, am letzten Tag des Festivals? Seid ihr erschöpft?
Johanna: Nein überhaupt nicht. Wir mussten ja nur sitzen und gucken. Uns geht’s gut!
 
Seit wann interessiert ihr euch für Theater?
Sarah: Schon immer! Ich versuche mir ganz viel anzusehen. Und selbst zu spielen.
Johanna: Ich interessiere mich auch schon lange dafür, deshalb habe ich an Kinderclubs teilgenommen. Und jetzt ist es umso schöner, hier dabei sein zu dürfen.
Sarah: Genau, das ist alles so professionell hier.
 
Was gefällt euch besonders am Theater?
Johanna: Mir gefällt es, dass es nicht nur ernst ist. Also, klar, wenn man ein Stück probt, dann muss es irgendwann klappen, aber der Weg dorthin ist spielerisch. Das macht so viel Spaß.
Jonathan: Genau. Das ist nicht immer so ernst, wie zum Beispiel in der Schule.
 
Was hat euch am besten hier gefallen?
Sarah: Die Stücke zu sehen. Und das Essen. Aber heute hat es mir nicht geschmeckt.
 
Was hat euch nicht so gut gefallen?
Johanna: Die haben immer alle so lange geklatscht nach den Stücken. Das verstehe ich nicht. Wenn man zeigen will, dass es einem gefällt, muss man das ja nicht so in die Länge ziehen.
Sarah: Ja, das finde ich auch. Man wollte raus aus dem Raum und das ging dann nicht, weil das Publikum nicht mehr aufgehört hat mit dem Klatschen.
Jonathan: Ich glaube, das machen die oft nur aus Höflichkeit.
 
Hat sich eure Einstellung zu Theater durch das Festival verändert?
Sarah: Ja. Ich möchte noch mehr ins Theater gehen, mir noch mehr anschauen.
Johanna: In letzter Zeit war ich etwas gelangweilt. Immer nur gucken, gucken, gucken. Durch die Teilnahme an der Jury habe ich einen neuen Ansporn bekommen. Ich brauche immer wieder etwas neues, damit es spannend bleibt.
 
Wie wichtig ist es für euch, dass es ein eigenes Kinder- und Jugendtheater gibt?
Sarah: Sehr wichtig, wir verstehen Erwachsenentheater nicht.
Johanna: Naja, was heißt nicht verstehen? Zum Teil ja, aber ich denke, man muss sich erst daran gewöhnen und lernen, es zu verstehen.
Jonathan: Kindertheater verstehen wir halt auch so. Ganz einfach.
Sarah: Aber wenn es kein eigenes Theater für uns gäbe, müssten wir uns eben an Erwachsenentheater gewöhnen.
 
Gab es etwas, dass euch hier erschreckt hat?
Lena: Also das Stück gerade, da hatte ich schon etwas Angst. Das mit dem Krieg hat mich erschreckt.
Jonathan: Das Stück war ab sechs, aber ich fand das nicht für Kinder in dem Alter angemessen. Man hätte das anders beschränken müssen.
Johanna: Aber ich meine, es muss auch Stücke geben, die sich mit dem wahren Leben beschäftigen. Klar, das war keine wahre Geschichte, aber Krieg gibt es. Es muss beides geben: Stücke, in denen die Realität aufgegriffen wird und ausgedachte, phantasievolle und unrealistische Geschichten.
 
Was denkt ihr: Wie wichtig ist eure Meinung als Kinderjury?
Sarah: Sehr wichtig.
Johanna: Ich glaube nicht, dass unsere Meinung so wichtig ist. Wir werden eher so ein bisschen nach dem Motto betrachtet: Ach, da kommen die Kleinen schon wieder. Aber das finde ich auch nicht so schlimm.
Sarah: Naja, aber wir vergeben ja einen Preis von, wie viel noch mal? Ich glaub 7500 Euro.
Johanna: Nein, das ist die andere Jury. Wir vergeben 1000 Euro.
Sarah: Ach ja.
 
Würdet ihr euch mehr Kultur in eurer Umwelt wünschen?
Sarah: Ja. In der Schule gibt es viel zu wenig davon. Immer nur Mathe, Deutsch und so. Wir sollten viel öfter ins Theater gehen, das lockert auf.
Johanna: Ich finde es gibt allgemein zu wenig. Kultur ist ja nicht nur Theater, sondern auch Musik, Malen und so. Es gibt so viele Werbeplakate, warum gibt es nicht mal ein riesiges Plakat, wo jeder etwas draufmalen kann? Was richtig Buntes?
 
Wenn es mehr Kinder- und Jugendtheater in eurer Stadt gäbe, würdet ihr mehr ins Theater gehen?
Sarah: Ja. Wenn es mehr gäbe, würde ich mir mehr anschauen. Dann hätte man auch mal einen Vergleich.
Johanna: Wenn wir hier zum Beispiel kein eigenes Theater hätten, müsste man nach Dortmund oder andere Städte ausweichen. Oder man müsste selbst Theater machen. Das ist ja nicht schwer.
Lena: Ich kann Schatten machen, mit meinen Händen. Guck mal.
Johanna: Jetzt habe ich noch eine Frage: Sie schreiben aber nicht: Kinderjury hat Lampenfieber als Überschrift, oder? Das hat letztens einer gemacht und das hat uns total geärgert. Das stimmt nämlich nicht wirklich. Nur ein bisschen.