Thema des Monats Dezember 2011

Facebook, Theater, junge Leute

– eine Kommunikation der besonderen Art

 

Von Lena Missel

 

Heute hat Facebook ungefähr 6 Millionen Mitglieder und pro Sekunde kommen 8 neue Mitglieder weltweit dazu (Quelle: SocialBakers, Stand Januar 2011) – wenn das nicht das perfekte Portal ist, vor allem junge Leute zu erreichen und Werbung zu machen!

 

Um Facebook soll es in diesem Artikel des Monats gehen- um die Frage, wie die verschiedenen deutschen Theater mit Jugendlichen über Facebook kommunizieren.                

 


Da fragt man sich natürlich zuerst: welche deutschen Theater haben überhaupt Fan-Seiten? Ist Euch schon einmal aufgefallen, dass bestimmt fast jedes Theater, das ihr kennt und auf Facebook gesucht habt dort eine Fan-Seite hat? Ich war total baff, wie viele Theater auf Facebook aktiv sind. Dabei stelle ich fest, dass es heutzutage eigentlich Gang und Gebe ist, auch als größere Institution auf Facebook aktiv zu sein um dort Werbung zu machen. Es geht einfach, es ist schnell und auf jeden Fall effektiv! Schauen wir als regelmäßige Facebook-Benutzer nicht mindestens ein Mal täglich bei Facebook rein und durchstöbern die Neuigkeiten unserer Freunde? Und erfahren somit das Neuste vom Neusten – wer ist gerade unglücklich verliebt? Wer sitzt gerade bei Mac Donalds? Wer hat keinen Bock auf Schule? ‒ und somit auch die Neuigkeiten der Theater, mit denen wir verbunden sind, indem wir sie „liken“.

 

Aber geht es den Theatern darum bei Facebook Werbung zu machen oder streben sie sogar eine Art Austausch mit Jugendlichen an?

 

Ich habe mich einfach mal durch die Fan-Seiten von verschiedenen Theatern geklickt und bin auf unterschiedlichste Angebote, Neuigkeiten, Vorankündigungen etc. gestoßen. Dabei ist mir Folgendes aufgefallen: Einige Theater haben extrem gut und intensiv ausgearbeitete Facebook- Seiten, andere Theater wiederum machen nicht wirklich viel aus ihrer Seite. Das erkennt man meist daran, dass die Theater nicht viel auf den Pinnwänden ihrer Seiten „posten“, d.h. sehr selten auf Veranstaltungen hinweisen und kaum von irgendwelchen Neuigkeiten berichten. Somit sind diejenigen, die die Seite der jeweiligen Theater „liken“ nicht auf dem neusten Stand. Denn diese würden sogar sofort nachdem sie sich eingeloggt haben auf ihrer Startseite sehen, wenn das Theater etwas „gepostet“ hat.

 

Von den Fan-Seiten, die mir am meisten zugesagt haben, möchte ich Euch ein bisschen erzählen und veranschaulichen, was meiner Meinung nach „gute Posts“ und Aktivitäten der Theater bei Facebook sind. Und diese bringen bestimmt hier und da einige Werbeerfolge mit sich.

 

So ist z.B. das Maxim Gorki Theater Berlin sehr aktiv bei Facebook. Ansprechend sind nicht nur die Inszenierungsfotos sondern auch die Art der verschiedenen „Posts“ auf der Fan-Seite. So erinnert das Maxim Gorki Theater auf seiner Pinnwand regelmäßig an Premieren und Vorstellungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen; teilt seinem Publikum von Vorstellungsausfällen mit; weist auf Presseartikel jeglicher Form hin – sei es ein Interview mit dem Intendanten Armin Petras oder eine Pressestimme zu einer Inszenierung; das Theater wirbt für Veranstaltungen in anderen kulturellen Einrichtungen (z.B. für die Neuköllner Oper); weist auf den neuen Monatsleporello hin und bewirbt den Jugendclub.
Viel Info auf ein Mal. Einen besonderen Austausch mit Jugendlichen konnte ich leider nicht finden. Schauen wir auf eine andere Fan-Seite.

 

Nämlich auf die des Jungen Staatstheater Berlin, des Theater an der Parkaue. Hier sieht es ähnlich aus, ich finde Hinweise zu Veranstaltungen, Premieren, Vorstellungen… jedoch fallen mir zwei Dinge auf, die insbesondere Jugendliche ansprechen könnten:
Der Hinweis, dass das Theater Hospitanten sucht, erfolgt bei diesem Theater auch über Facebook. Was sicherlich sinnvoll ist, denn meist werden die Hospitantenplätze an Jugendliche/ junge Erwachsene vergeben und diese erreicht man über Facebook sehr gut. Gutscheine verschenkt das Theater an der Parkaue auf eine besondere Art: Theaterfans können sich im Rahmen der Werbekampagne „MEHR LIEBE MEHR THEATER“ Werbesticker an der Theaterkasse holen und sollen diese an möglichst ausgefallenen Plätzen der Stadt aufkleben, sie fotografieren und das Foto dem Theater zukommen lassen. Die besten Ideen werden mit Theatergutscheinen belohnt. Für diese Aktion auf Facebook zu werben ist natürlich super, denn für eine solche Aktion sucht das Theater bestimmt junge, spontane, kreative Leute und die findet man über Facebook allemal!

 

Das Theater Junge Generation Dresden spricht seine jungen Facebook- Fans an, indem es viele Bilder zu den Stücken „postet“. Außerdem weisen die Mitarbeiter des Theaters über ihre Fan-Seite auf aktuelle Aktionen hin, bei denen junge Leute ihr Zielpublikum sind; z.B. auf die Möglichkeit, selbst als Komparsen an einem Stück teilzunehmen oder teilen u.a. über Facebook mit, dass die Möglichkeit besteht, ein eigenes Stück auf die Bühne zu bringen.

 

Sehr gefreut habe ich mich vor allem über die Seite des Theater Bremen. Die Mitarbeiter posten viele Bilder und Neuigkeiten – das kennen wir inzwischen ja schon. Eindrucksvoll war für mich die Kommunikation mit den Jugendlichen. Z.B. wurden lustige Fragen zum Thema einer Premiere gestellt: Mit der Frage „überlegt, welches Tier der Bremer Stadtmusikanten ist es wohl? Was denkt ihr und warum?“ versuchte das Theater Bremen die Jugendlichen für das Thema zu begeistern. Einige Jugendliche schrieben unter die Frage, was sie sich spontan dachten. Ist es nicht wunderbar die Fans auf Facebook einzubeziehen, sie eine kurze, kreative, lustige Antwort schreiben zu lassen um ihnen so Lust auf Theater zu machen? Eine solche Aktion funktioniert über Facebook einfach sehr gut, es geht schnell, es sind viele Leute auf ein Mal angesprochen und jeder kann mitmachen!
Sehr ansprechend ist außerdem die Rubrik „Fragen“. Da klickt man drauf und kann z.B. die Frage „Was erwartet ihr von einem Theaterbesuch?“ beantworten, indem man entweder einer vorhandenen Antwort eine Stimme gibt oder eine neue Antwort verfasst.
Auf der Seite des Theater Bremen hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass Facebook-Nutzer auf den Fan-Seiten wirklich aktiv werden können.

 

 

 

Jetzt habe ich erzählt und erzählt. Was kann ich abschließend und auswertend sagen?
Generell ähneln sich die Aufmachungen der verschiedenen Fan-Seiten der Theater auf Facebook. Ist ja auch kein Wunder, Facebook gibt verschiedene Dinge vor, eine Fan-Seite zu gestalten. Manche Theater nutzen das vorhandene Angebot komplett aus, andere wiederum nur teilweise.
Das fängt bei den Hinweisen zu Vorstellungen, Premieren, Vorträgen und anderen Veranstaltungen an, geht über Inszenierungsfotos und Stücktrailer bis hin zu interaktiven Kartenverlosungen, Einbeziehung der Fans und ganzen Rubriken für Fragen.
Ich frage mich, ob Facebook wirklich die richtige Plattform ist, mit Jugendlichen in Interaktion zu kommen. Wie ihr sehen könnt, bin ich total begeistert von einigen Ideen, die sich die Mitarbeiter verschiedener Theater ausgedacht haben, um ihre jungen Fans einzubeziehen und so eine Beziehung aufzubauen Das geht über Facebook super schnell und relativ einfach. Sowohl das Theater als auch die Fans können davon profitieren. Aber wollen die jungen Facebook-Nutzer das? Diskussionen auf den jeweiligen Fan-Seiten, mitwirken und aktiv sein? Oder wollen sie auf Facebook einfach nur mit ihren Freunden chatten, deren Bilder anschauen und Spaß mit ihnen haben?

 

Ein bisschen, finde ich, kann man es an der mauen Rückmeldung auf einigen Fan-Seiten der Theater herauslesen. Denn die Rückmeldung von Facebook-Nutzern auf Fragen, Hinweise etc. sind häufig sehr selten. Ob es an der Aufmachung der Fan-Seite oder an den Jugendlichen liegt, konnte ich nicht eindeutig herausfinden. Wahrscheinlich ist es eine Wechselwirkung – manche Jugendliche sind an einem Austausch mit den Theatern via Facebook interessiert und brauchen dafür natürlich gewisse Voraussetzungen, die die jeweiligen Theater auf ihren Fan-Seiten schaffen können. Andere Jugendliche sind nicht an einem Austausch interessiert und die viele Mühe der Mitarbeiter der Theater war mehr oder weniger umsonst. Zu Werbezwecken eignet sich Facebook ohne Zweifel wunderbar. Aber was ist mit der klassischen, traditionellen Werbung? Einen Brief im Briefkasten zu haben, der genauso gut von Neuigkeiten berichten kann, das erleben wir heutzutage zunehmend seltener. Das macht mich traurig. Freuen wir uns nicht jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn wir endlich mal wieder Post bekommen die an uns gerichtet ist? Wenn ich von einem Theater heutzutage regelmäßige Informationen erhalten möchte, beantrage ich entweder einen Newsletter oder ich „like“ eben die jeweilige Fan- Seite auf Facebook.
Informiert bin ich über Facebook und E-mail auf jeden Fall schneller und günstiger, das steht außer Frage. Aber ist es nicht schön auch mal was in den Händen zu halten?