Thema des Monats - Dezember 2013

Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang

 

Ein Gespräch mit Frauke Burg, Anna-Maria Thoma und Eric Ander, Studierende im 2. Jahr Im Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München

 

Das Gespräch führte Thomas Koch

 

                   

Anna-Maria Thoma         Eric Ander                  Frauke Burg

 

Warum wolltest du Opernsängerin werden?
Frauke: Was den Beruf so besonders macht, ist, dass man es mit so etwas Wunderbarem wie Musik zu tun hat und den ganzen Tag singen darf. Singen macht glücklich. Als Opernsängerin kommt hinzu, dass man in so viele verschiedene Rollen schlüpfen, so viele Facetten von Gefühlen, Charaktereigenschaften ausleben und fühlen darf, auch viele Dinge, die sich im wahren Leben nicht anbieten, die man aber auf der Bühne ausleben kann.
Eric: Es geht mir genauso wie Frauke. Für mich war es die Liebe zur Musik, die am Anfang stand. Später habe ich angefangen zu verstehen, wie es ist, sich selbst loszulassen und in eine Figur zu verwandeln und dann di ese zu sein und einfach das zu machen, was diese Figur machen will und nicht was ich privat tun würde.
Anna-Maria: Da kann ich mich nur anschließen. Man kann anders sein, als man privat ist. Viele trauen sich ja privat manches nicht. Auf der Bühne aber kann man experimentieren, sich austoben. Als Künstler weiß man, dass man anders ist als andere. Und das ist im Privatleben manchmal schwierig. Viele verstehen das nicht. Auf der Bühne wird das dann sichtbar, auch für das Publikum. Und gerade für das Publikum machen wir die Kunst. Wir wollen die Menschen begeistern.
Frauke: Wenn man sich im wahren Leben manchmal fehl am Platze fühlt, auf der Bühne fühlt man sich immer richtig. Egal wie man ist, egal was man ist, auf der Bühne ist man zu Hause. Da hat man alle Freiheiten, auch wenn man im richtigen Leben viele Fehler macht oder sich unwohl fühlt, auf der Bühne gibt es das nicht Dort ist man richtig. Was außerdem toll ist: Man kann, wenn man Glück hat, sogar andere Menschen erreichen und deren Leben bereichern. Man macht das natürlich auch für sich selbst, weil man viel ausleben und erleben kann mit der Liebe zur Musik. Aber, wenn man Glück hat, kann man damit auch noch andere Leute berühren.
Anna-Maria: Ich habe festgestellt, wenn man sich auf der Bühne wunderschön fühlt, dann ist man für den Beruf geeignet. Wenn man draußen vielen oberflächlichen und materialistisch eingestellten Menschen begegnet, fühlt man sich selbst gar nicht schön. Aber ist man auf der Bühne, das ist unglaublich, da fühlt man sich wie ein Engel, man fühlt sich einfach attraktiv. Und dann ist das der richtige Beruf, wenn man weiß, dass man da keine Angst haben muss. Ich muss mich nicht verstellen, wenn ich in eine andere Rolle schlüpfe, denn ich bin ja immer noch ich selbst. Es passiert einfach, dass man in diese Rolle fällt. Und wenn man sich da wohlfühlt und das schön findet, dann stimmt das einfach.

 

Imeneo: Eric Ander, Frauke Burg (c) Lioba Schöneck
 

Wann hast du entdeckt, dass Musik und Singen für dich das Richtige ist?
Frauke: Der Weg, wie man zum Singen kommt, ist sehr individuell. Bei mir ist es so, dass ich aus einer Familie komme, die zwar viel Musik gemacht hat, aber keine Musikerfamilie ist. Meine Mutter ist Pastorin. Ich habe immer viel Musik gehört, in der Kirche natürlich auch. Ich war mit fünf Jahren das erste Mal in der Zauberflöte. Das war eine ganz klassische Inszenierung, und ich weiß, wie mich das damals fasziniert hat: auf der einen Seite die Musik und dass gleichzeitig etwas auf der Bühne passiert. Ich habe die halbe Nacht daheim vor unserem Plattenspieler gestanden und versucht, die Sänger nachzumachen und auch so zu singen wie die Königin der Nacht. Zwei Wochen später war eine Taufe, bei der eine Sängerin in der Kirche gesungen hat, mit Noten in der Hand. Und ich stand nach dem Gottesdienst auf der Straße und habe mir vorgestellt, wie ich selber die Noten halte und habe den Mund ganz weit aufgerissen und so Fischbewegungen gemacht und gesagt: „ich werde Sängerin.“ Ich glaube ich habe seitdem immer nur gesagt, dass ich Sängerin werden möchte. Dann hatte ich sehr viel Glück, weil ich in der Grundschule einen ganz tollen Chor hatte. In der zweiten Klasse haben wir das Musical Die Bremer Stadtmusikanten einstudiert, und ich habe immer die Arie der Königin der Nacht vor mich hingesungen, bis die Chorleiterin sagte: „Weißt Du was, dann bauen wir die Königin der Nacht einfach bei den Bremer Stadtmusikanten mit ein.“ Dann habe ich also damals in dieser Grundschulaufführung die Arie der Königin der Nacht mitten in dem Kindermusical Die Bremer Stadtmusikanten gesungen. Und später, im Gymnasium, haben wir im Chor Die Zauberflöte geprobt. Und dann durfte ich dort wieder die Königin der Nacht singen, mit 15. Und da hatte ich Glück. Denn es kam eine Gesanglehrerin auf mich zu und sagte: „Es wäre schön, wenn wir Deine Stimme ausbilden könnten.“ Ich hatte schon vorher Klavierunterricht und habe getanzt. Ab 15 habe ich dann klassischen Gesangsunterricht genommen. Vorher war ich eher an Musical interessiert. Ich bin zwar immer in die Oper gegangen, aber ich dachte nicht, dass meine Stimme dafür geeignet sei. Meine Lehrerin hat damals aber gesagt, dass meine Stimme perfekt für die Oper wäre und dann habe ich die typische Laufbahn mit Musikschule, Konzerten, Jugend musiziert bis zur Aufnahmeprüfung gemacht.
Eric: Wir kommen später bei mir noch zur Zauberflöte. Ich habe meinen Beruf wahrscheinlich ein bisschen der schwedischen Chortradition zu verdanken, weil ich in meinem 10. Lebensjahr auf die "Adolf Fredriks Musikklasser" kam, das ist eine große Chorschule in Stockholm. Später gab es auch Aufnahmeprüfungen für Kinderrollen in der Königlichen Oper, und da habe ich dann die Rolle als Dritter Knabe in Die Zauberflöte bekommen. Das habe ich zwei Spielzeiten über gemacht, und dann verstand ich erst, dass Leute mit Musik und mit Oper arbeiten, und dass das etwas sehr Schönes ist.

 

Dass das ein Beruf sein kann….
Eric: Ja genau, dass das ein Beruf sein kann. Ich glaube, dass es seitdem ein innerer Traum von mir war. Später wurde mir klar, dass ich auch eine gute Stimme habe. Als ich ins Gymnasium kam, fing ich mit Gesangsunterricht an. Und nach dem Abitur wurde ich gleich in die Musikhochschule aufgenommen. Von da an lief es, ohne dass ich weiter nachdenken musste, ganz intuitiv.
Anna-Maria: Bei mir war es so: Meine Eltern sind beide Sänger. Es war klar, dass Annamaria einmal Sängerin wird, aber ich wollte nicht. Ich wollte das nie machen. Im Inneren habe ich aber immer gewusst, dass ich eine Sängerin bin, wollte den Schritt aber noch nicht wagen. Eine Pause hat jedoch die Augen geöffnet, den Weg einzuschlagen. Dann kam die Aufnahmeprüfung und ich habe zu mir selber noch einmal gesagt: „Ich muss das jetzt machen, weil ich sonst unglücklich werde.“ In Stuttgart bin ich zwar durchgefallen, es hat nicht sollen sein, aber in München hat es geklappt. Von Anfang an war mir klar: Das ist es.
Frauke: Ich habe zuerst Psychologie studiert, da ich erfahren habe, dass es bei den Aufnahmeprüfungen auch auf die Außenwirkung ankommt, aber da war ich direkt nach dem Abitur noch zu unerfahren. Neben dem Psychologiestudium habe ich weiterhin Gesangunterricht genommen und mich informiert, was man von mir in der Aufnahmeprüfung erwartet. Dabei habe ich erfahren, dass es gut ist, bereits vor der Prüfung mit Gesanglehrern zu sprechen, um herauszufinden, welcher Lehrer gut zu einem passen könnte. Dem sollte ich dann schon einmal vor der Prüfung vorsingen. Später wurde ein Doppelstudium Psychologie und Gesang zeitlich unvereinbar, und ich habe mich dann bewusst für den Traumberuf Gesang entschieden.
 

 

Anna-Maria Thoma (Mitte) in "Adelasia ed Aleramo" (c) A.T. Schaefer

 

Was war die Motivation, sich für den Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang an der Bayerischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater zu bewerben?
Frauke: Ich bin ja erst während des 7./8. Semesters nach München gewechselt. Vorher war ich in Detmold. Nach der Diplom-Prüfung hatte ich das Bedürfnis, in München noch weiter zu studieren,, weil die Hochschule einfach anders ist als die, wo ich vorher war: größer, mit mehr Konkurrenz, aber eben auch mit viel mehr Angeboten im szenischen Bereich. Da konnte ich mich besser ausprobieren und in verschiedenen Produktionen mitwirken, mit unterschiedlichen Regisseuren arbeiten. Dadurch, dass der neue Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang den Schwerpunkt auf die Szene legt und auf die Arbeit mit Regisseuren, hat mich das einfach gereizt. Ich kann hier auf der großen Bühne des Prinzregententheaters in einer quasi Profi-Situation mit Profi-Regisseur, Profi-Orchester und Profi-Dirigent arbeiten. Das ist wirklich einmalig an diesem Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang in München.
Anna-Maria: Ich bin im Moment nicht auf die ganz großen Partien aus. Dafür ist mein Stimmfach einfach ein bisschen zu schwer. Und für die leichteren Fächer gibt es andere Sängerinnen, die das einfach besser können. Ich singe lieber jetzt kleinere Rollen und freue mich, daran zu wachsen. Auf die größeren warte ich gerne noch ein bisschen. Wir machen ja gerade das Intendantenvorsingen, dann kommt Salomé (von Antoine Mariotte) im Februar 2014, und ich denke, dass das noch einmal eine ganz große Herausforderung für mich wird. Danach kann es dann losgehen. Und ja, im nächsten Jahr steht auch noch der ARD-Gesangs-Wettbewerb an, für den ich mich bewerben möchte.

 

Welches Stimmfach singst du denn?
Anna-Maria: Offiziell bin ich Mezzosopran, aber die Salomé von Mariotte, zum Beispiel, ist keine hundertprozentige Mezzo-Partie. Ich würde sagen, dass ich ein Zwischenfach singe, zwischen Mezzosopran und Sopran. Ich arbeite auch sehr gerne an Sopran-Partien, wenn sie ein bisschen tiefer liegen, oder eben höhere Mezzosopran-Partien. Mein Ziel ist, irgendwann einmal die Möglichkeit zu haben, Sopran zu singen. Da probiere ich mich gelegentlich aus. Das ist natürlich jetzt noch zu früh, um es auf der Bühne zu machen, aber ganz ehrlich, in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren sollte man einmal eine richtig krasse Partie lernen. Da braucht man einfach Zeit, damit sich das setzen kann. Man schaut sich das immer wieder an, um zu sehen, wie es sich entwickelt.
Eric: Man wird nie perfekt. Jetzt also das Absolventenvorsingen, und wenn ich einmal ins Engagement komme oder in ein Opernstudio aufgenommen werde, gilt doch immer, es gibt nichts Falsches auf der Bühne. Ich bin offen für alles, und ich kann alles falsch machen oder richtig machen. Das ist noch ein Prozess, der nach dem Studium kommt. Und als 24jähriger Bass ist das noch ein sehr langer Prozess. Ich weiß nicht wirklich, ob ich später ins seriöse, dramatische oder schwere Bass-Fach komme oder ob ich eher ein leichterer Bass-Bariton werde. Jetzt passt Alte Musik noch ziemlich gut zu meiner Stimme, aber ich möchte in Zukunft nicht nur Alte Musik singen. Auf die Dauer ist das ein bisschen langweilig (die anderen lachen). Nein, vielleicht nicht langweilig, aber ich will auch die großen Puccini-Gefühle erleben und alles, was dort drin steckt. Da bin ich aber vielleicht noch ein bisschen zu jung.
Anna-Maria: Apropos jung, ich finde es wichtig, dass man sich nicht von Leuten unter Druck setzen lässt, weil man vielleicht zu alt oder sonst etwas ist. Man muss sich die Zeit nehmen zu wachsen und selbst einschätzen lernen, was du schaffen kannst und was gut für deine Stimme ist. Man muss vor allem auf sein Inneres hören, ohne sich von außen unter Druck setzen zu lassen. Was kann ich, was trau ich mich, was will ich? Und natürlich sich anhören, was andere sagen, sich aber nicht abhängig von der Meinung anderer zu machen.
Frauke: Ich bin ganz glücklich über dieses Absolventen-Vorsingen, weil ich da die Möglichkeit habe, vier bis fünf große Arien einzukreisen, die dann so oft wiederholt, probiert und korrepetiert und interpretiert werden, dass ich die wirklich im Schlaf singen kann und auch unter dem großen Druck, unter dem so ein Vorsingen stattfindet. Ich plane auch nach diesem Vorsingen an der Theaterakademie, an weiteren Vorsingen teilzunehmen. Das ist nicht so einfach. Man muss erst einmal jemanden finden, der einen vertritt und die Vorsingen vermittelt. Der erste Schritt ist da sicherlich schwierig, weil man oft hört, es fehle die Bühnenerfahrung. Nun haben wir aber gerade den Vorteil, hier in dem Master-Studiengang an der Theaterakademie sehr viel Bühnenerfahrung sammeln zu können. Es ist die Frage, ob das so akzeptiert wird. Manche werden sagen, man sei ja noch nicht an einem Haus gewesen. Aber man muss ja irgendwo anfangen, und deswegen bin ich sehr gespannt, was auf mich zukommt. Ich bin sehr froh, dass ich mich für den Master-Studiengang Musiktheater/Operngesang in München entschieden habe, weil ich nach dem Diplom noch ein wenig unsicher war. Jetzt freue ich mich sehr darauf, in das Berufsleben einsteigen zu können. Ich fühle mich absolut bereit dafür. Und ich bin optimistisch, denn meine Arien habe ich ja sehr gut vorbereitet (lacht).


Weitere Informationen zum Master-Studiengang Gesang-Musiktheater an der Bayerischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater München über folgende Links:
http://www.youtube.com/watch?v=Z8PsM_Q2bl0
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/abendschau/theater-akademie-muenchen-everding-prinzregententheater-100.html
http://www.theaterakademie.de/de/studium/gesangs_studium/studieninfos.html
Orientierungstag/Tag der offenen Tür am Samstag, 8. Februar 2014, 10-17 Uhr


Fotos ohne Credit: Bayerische Theaterakademie