Thema des Monats - Juli 2016

Von springenden Löwen

 

Auch in diesem Jahr heißt es wieder einmal: Vorhang frei und Bühne auf für die klubszene! Zum elften Mal in Folge wird dank des Arbeitskreises der Berliner Theaterpädagog*innen TTT ein intensiver Austausch der Jungendtheaterklubs verschiedener Berliner Theater ermöglicht.


Von Michael Pajuelo


Meine Wenigkeit hatte in diesem Jahr die Ehre, beim Vorbereitungstreffen der Theaterpädagog*innen im Mai als Vertretung dabei zu sein. Als wir den Tagespunkt "Sonstiges" erreichten, erlaubte ich mir eine Frage zu stellen, die mich die vier Jahre, in denen ich nun schon an der klubszene teilnehme, begleitet: Was hat es mit dem Festival-Logo auf sich? Statt Antworten, erhielt ich nur ratlose Blicke und schließlich die Einsicht, dass keiner der Anwesenden um die Bedeutung oder die Geschichte des Logos wusste. Das reichte mir nicht. Nach Jahren des stillen Wunderns, wollte ich endlich eine Antwort. Wieder Zuhause setzte ich mich also an meinen Schreibtisch, schaltete meinen Computer an und begann mit der Recherche.

 

 

Panthera leo, so lautet der wissenschaftliche Name für die Wildkatze, welche bei uns üblicherweise mit dem Namen Löwe betitelt wird. Und anscheinend war es schon vor Disney in vielen Kulturen Kult, Löwen als »Könige der Tiere« anzusehen. Ihnen werden in erster Linie Mut und Stärke zugeordnet und ein aufgeschlossenes Sozialverhalten untereinander mit flachen Hierarchien zugeschrieben - jedenfalls solange man derselben Gruppe angehört.
Letzte Eigenschaft ließe sich auch verwenden, um das Klima eines Theaterensembles zu beschreiben. Und Mut und Stärke könnten genauso gut die Anforderungen an uns jugendliche Darsteller*innen kurz vor jeder Aufführung meinen. Auch der auf dem Logo vorhandene Feuerring, durch den der Löwe springt, könnte auf diese Eigenschaften anspielen. Bezüge zwischen Löwen und Theater lassen sich also problemlos herstellen. Doch was war nun die offizielle Bedeutung des Logos?

 

Um der Sache weiter auf den Grund zu gehen, durchsuchte ich noch einmal die hintersten Winkel des Internets, nur um nach zwei Stunden und beim Lesen eines Artikels über die Landwirtschaft Namibias zu der unglaublichen Erkenntnis zu gelangen, dass ich mich bei länger dauernden Recherchen wohl zu leicht ablenken lasse. Ich beschloss die Sache anders anzugehen und beschaffte mir über Lotte, Klubleiterin am Theater Strahl, den Kontakt von zwei klubszene-Gründer*innen, die ich schnellstmöglich anrief.


Ich erfuhr, dass die primäre Funktion der klubszene darin liegt, Mitgliedern von Berliner Theaterjugendklubs eine Möglichkeit zu geben, sich untereinander kennenzulernen und auszutauschen. Die Stücke der Klubs sind eines der zentralen Elemente und allgegenwärtiges Gesprächsthema des Festivals. Seinem anti-kompetitiven Klima entsprechend, findet die Präsentation der Stücke nicht in Form eines Wettbewerbs statt. Während der ersten klubszene wurden auch nicht die vollständigen Stücke, sondern nur kurze Trailer bzw. Collagen vorgeführt, die eine Spielzeit von ca. 10 Minuten hatten. Auch in diesem Jahr werden nur Ausschnitte der Stücke gezeigt und in gemischten Workshops zu den Themen und Ästhetiken der einzelnen Stücke gearbeitet. Dieses Konzept kam mir als Veteran erst ungewohnt vor und ich bedauerte den Wegfall der Stückpräsentationen zunächst. Aber mittlerweile freue ich mich darüber, mit den anderen Teilnehmer*innen die Möglichkeit zu bekommen, die selbst erarbeiteten Werke kreativ neu zu verpacken und zu präsentieren.

 

Soviel zur Aufgabe des Festivals. Aber was hat es mit dem Logo auf sich? Ich stellte meine Frage noch ein letztes Mal und erfuhr, dass das jetzige Logo der klubszene nur eines von dreien ist. Vor der Blütezeit von Simba gab es nämlich noch einen gesetzten Schriftzug und einen Scheinwerfer als Motiv. Zugegeben hat der Löwe vermutlich mehr Wiedererkennungswert als die beiden zuletzt genannten Alternativen. Abgesehen davon, lässt er auch mehr Freiheit für Interpretationen im Vergleich zu seinen Logo-Kontrahenten. Jedoch wurde schon früher von den damals zuständigen Klubleiter*innen über den Sinn des Löwen diskutiert. Einer knapp abgelaufenen Abstimmung ist es zu verdanken, dass er seit 2011 das bestehende Motiv ist.

 

Vermutlich liegt es an jedem klubszene-Teilnehmer selbst herauszufinden, was er in dem Löwen sieht. Vielleicht ist es die Kraft, welche man durchs Spielen findet, um sie in Präsenz mit einfließen zu lassen. Vielleicht ist es der Zusammenhalt, welchen man im eigenen Ensemble findet, ähnlich wie bei einem Rudel. Oder vielleicht denkt man sich, dass das Logo eine Parodie auf die derzeitige finanzielle Lage eines der größten Vertreter des kontrahierenden Mediums, dem Film, ist (Stichwort: Metro-Goldwyn-Mayer). Was es auch immer sein mag, mir persönlich gefällt die Idee, nicht zu viel in alles hinein interpretieren zu wollen. Die klubszene gibt Jugendlichen, welche ein gemeinsames Interesse haben, die Möglichkeit, Eindrücke und Erfahrungen aus ihrer Spielzeit miteinander zu teilen. Wer sich zu tief in kleine Details verfährt, dem entgeht die Schönheit des großen Gesamtbilds. Ich jedenfalls freue ich mich auf das, was das Festival dieses Jahr zu bieten hat!

 

Das klubszene festival 2016 findet vom 14. bis 16. Juli im GRIPS Podewil Berlin statt.

 

klubszene 2016 wird gefördert von:*
*Deutscher Bühnenverein – Landesverband Berlin // Der Paritätische Berlin e.V. // Kreuzberger Kinderstiftung

 

 

 

 

 

Michael Pajuelo (20 Jahre) kommt aus Berlin und bezeichnet sich selbst als Fan der Darstellenden Kunst und suchtgefährdet, wenn es um Musik und schwarzen Humor geht. Seit 2011 ist er Teil des STRAHL Theaterjugendklubs und in diesem Jahr schon zum fünften Mal bei der klubszene dabei, u.a. als Autor des Festival-Blogs „Klubszene Festival 2015" der jungen bühne.