"Panama Pictures"; Foto: Rob Hogeslag

Thema des Monats - November 2016

Gratwandern. Wachsen. Grenzen antasten.

Eindrücke vom THINK BIG! Internationales Tanz- und Performancefestival für junges Publikum

 

Im Oktober 2016 besuchte Julia Opitz das internationale Tanz- und Performance Festival THINK BIG! in München und sprach mit Simone Schulte-Aladag, die gemeinsam mit Bettina Wagner-Bergelt seit der Gründung die künstlerische Leitung bildet.

 

THINK BIG! - der Name des Tanz- und Performancefestivals, das seit fünf Jahren jährlich in München ausgerichtet wird, spricht für sich. Menschen im Alter von 3-99 Jahren können jeden Herbst eine Woche lang ein programmatisch anspruchsvolles Festival erleben: Jenseits von konventionellen Kategorien wird hier experimentiert und werden künstlerische Wagnisse eingegangen. Im Besonderen Jugendliche und jungen Erwachsene kommen beim THINK BIG!-Festival mit ungewohnten ästhetischen Formen und künstlerischen Herangehensweisen in Berührung.

 

ENTSTEHUNG/ HINTERGRÜNDE

 

„Wir wollten den zeitgenössischen Tanz auf mehreren Ebenen in der Stadt neu verankern, daher entwickelten wir, Tanz und Schule, gemeinsam mit anderen Münchner Institutionen, wie dem Muffatwerk, Joint Adventures, dem Bayerischen Staatsballett und dem Fachbereich Theaterwissenschaften der LMU im Jahr 2006 die Konzeption Access to dance - Tanzplan München. Damit wollten und wollen wir den Tanz in München in die Breite bringen und uns auch als Institutionen stärker vernetzen und austauschen. Die Idee für ein Festivalkonzept ging dann wiederum aus der Zusammenarbeit der verschiedenen Partner im Rahmen von Access to dance hervor.", beschreibt Simone Schulte-Aladag.

 

Schulte-Aladag, die gemeinsam mit Anja Brixle, Andrea Marton, Katja Schneider und Eva Seidl vor 10 Jahren Tanz und Schule gründete, reiste, als die Idee für THINK BIG! geboren war, bereits viel, sah sich internationale Produktionen an und kam durch diese Arbeit mit Künstler*innen in Berührung, die u.a. auch für junges Publikum arbeiteten. Wagner-Bergelt, Leiterin des Education-Programms Campus Staatsballett, ist u.a. als Kuratorin für das Münchner Festival DANCE tätig gewesen. „Vor dem Hintergrund unserer beider Erfahrungsräume ergab sich unsere Zusammenarbeit für THINK BIG! - ich bin froh um die Kooperation, die Arbeit macht viel Spaß!", so Schulte-Aladag.

 

FESTIVALPROGRAMMATIK

 

Einer der Festivalschwerpunkte sei eigentlich jedes Jahr das Zeigen von Ausschnitten aus aktuellen Schulproduktionen, wie zum Beispiel das Gemeinschaftsprojekt ‚Heinrich tanzt!', bei dem der Fokus auf der tänzerischen Arbeit mit Münchner Schüler*innen liegt. „Manchmal fahren wir, das Team von Tanz und Schule, zu Festivals, außerdem gibt es eben auch Choreograf*innen, deren Arbeit Bettina und ich besonders weiter verfolgen. Zum Beispiel Anna Konjetzky oder Silke Z, beide Künstlerinnen hatten wir bereits zweimal da.", so Schulte-Aladag.

 

Aus München war beim diesjährigen THINK BIG! u.a. „Out" von Anna Konjetzky zu sehen, ein Abend der Hemmschwellen und Überwindungsstrategien auf den Grund geht und so das Publikum auffordert, die eigene Komfortzone zu verlassen und aktiv zu partizipieren. Auch „Sag mal..." von Ceren Oran, ein Tanzstück für Kinder im Vorschulalter, das ohne Sprache auskommt, wurde in München erarbeitet. Silke Z kam aus Köln mit „Like a Popsong", ein Abend, der zwischen Tanz, Performance und Konzert oszilliert. Felix Berner zeigte mit dem Tanzmainz Club seine Arbeit „Kollisionen", ein Tanzstück, das er mit jugendlichen Laien entwickelte. Martin Nachbar und Gabi dan Droste waren mit „Ich bin's deine Schwestern" vertreten. Mit viel Bewegung und wenigen Worten loten drei Performerinnen darin aus, wie schwesterliche Dynamiken das Miteinander beeinflussen. Aus den Niederlanden kamen Panama Pictures, die mit „Portraits & Short Stories" einen zwischen Tanz und Akrobatik ansiedelnden Abend voller energetischer Kraft präsentierten.

 

Insgesamt, sagt Schulte-Aladag, ginge es einerseits darum, (inter-)nationale Ästhetiken zu zeigen, die sonst in München wenig sichtbar werden und andererseits regionalen Künstler*innen eine Plattform zu geben. Immer sollen auch Schnittstellen zu Theater und zu anderen Kunstformen gezeigt werden. „Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel das Vorstadt Theater Basel zu Gast, das neben Tanz und Bewegung auch viel mit Text / Sprache gearbeitet hat. Und Bettina ist es wichtig, dass sie das Juniorballett mit einbezieht, weil es eben junge professionelle Tänzer*innen sind und wir ja eine Bandbreite zeigen wollen.", so Schulte-Aladag.

 

RAHMENPROGRAMM

 

Ein intensives Rahmenprogramm, das unter dem Überbegriff ‚Workspace' ein fester Bestandteil des Festivals ist, vereint verschiedenste künstlerische Ästhetiken und Vermittlungsansätze, die von Lehrenden, Schülerinnen und Schülern, so wie professionellen Tanz- und Theaterschaffenden wahrgenommen werden. Als Workshopleitende waren dieses Jahr u.a. Simon Pittman von Frantic Assembly (UK) oder Ruth Amarante, die dem Pina Bausch Ensemble angehört, zu Gast. Beide arbeiteten über zwei bis drei Tage hinweg mit Jugendlichen und gaben im Rahmen einer Präsentation Einblicke in beeindruckend dichte Bewegungsmomente.

 

VISIONEN/ ZUKÜNFTIGES

 

Weil das Bedürfnis besteht, sich ein wenig mehr Zeit zu lassen, programmatisch einiges zu verfeinern und aktuelle Impulse im Bereich Tanz und Performance vielleicht noch intensiver in die eigene Arbeit aufzunehmen, hat sich das Festivalteam entschieden, das nächste große Festival 2018 auszurichten, das heißt in einen biennalen Rhythmus überzugehen. „Die Entscheidung fiel aber auch, weil wir schauen müssen, wie unsere Finanzierung sich zusammensetzen kann. Denn wir haben kein festgeschriebenes Budget, sondern schauen eigentlich von Jahr zu Jahr, wie wir unser Budget zusammen bauen und welcher Partner welche Gelder hineinbringen kann. Dieses Jahr erhielt THINK BIG! neben dem Kulturreferat der Stadt München u.a. durch die Schweizer Art Mentor Foundation Lucerne großzügige finanzielle Unterstützung. Mal sehen, wie es weitergeht. Auch ist unser Festival noch keine feste Haushaltsstelle bei der Stadt, daher müssen wir eben immer wieder Wege finden, das Programm zu realisieren.", erklärt Schulte-Aladag.

 

Auch betont die künstlerische Co-Leiterin, dass es ein großer Wunsch ist, in Zukunft mehr internationale Gäste einzuladen, um einen intensiveren Austausch untereinander zu etablieren. „Wenn wir zum Beispiel nach Belgien fahren zum Krokusfestival, ein Tanz- und Theaterfestival für junges Publikum, das seit 20 Jahren stattfindet, dann sehen wir eben auch, dass sich da ganz viel entwickelt in der freien Szene, denn es existiert dort auch kein entsprechendes Stadt- und Staatstheatersystem, wie es das in Deutschland gibt."

 

Ziel sei es also, u.a. aus Österreich, der Schweiz, ganz Deutschland und den Benelux-Ländern Künstler*innen einzuladen, mehr Veranstalter*innen nach München zu bringen. „Aber ich war jetzt schon ganz happy, denn es waren Veranstalter aus Liechtenstein, aus Berlin, Nürnberg, aus Niedersachsen und aus England bei uns.", sagt Schulte-Aladag. Auch wünscht die künstlerische Co-Leiterin sich in Zukunft für ihr Festival ein Delegierten-Programm.

 

Viel Glück wünsche ich dafür und für alle weiteren Entwicklungen im Rahmen von THINK BIG! Danke für das interessante Interview.

 

ZUSCHAUERSTIMMEN ZUM FESTIVAL

 

Erik:
„Allein schon der Titel ist ja sehr inspirierend: ‚THINK BIG!': Denke groß, erweitere deinen Horizont."

 

Hannah:
„Für mich heißt THINK BIG!, sich mit außergewöhnlichen Dingen zu befassen und eben auch Sachen auszuprobieren, mit denen man sonst nicht so vertraut ist, die man sonst eben auch nicht machen würde."

 

Sabrine:
„Ich würde sagen, dass man nicht an bestimmte Tanzformen gebunden ist, sondern seiner Fantasie freien Lauf lassen kann."

 

Benedikt:
„Also am Ende die Party, die fand ich gut."