Thema

„Es geht darum, Begegnungen zu ermöglichen.“

Für die vierte Ausgabe des PLUG&PLAY Festivals für junge Regie in Mainz wählte eine Jury aus jungen Menschen aus über 90 Produktionen sechs für das Festival aus. Autorin Merle Zils hat vor Festivalbeginn mit den Jury-Mitgliedern Aurélie Feucht und Dalilah Hamam über unterschiedliche Blickwinkel im Auswahlprozess, thematische Schwerpunkte und ein vielfältiges Programm gesprochen.

Foto oben: privat
Beitrag von: am 07.05.2026

Ihr kommt aus zwei verschiedenen Rollen – Regiestudium und Regieassistenz. Wie hat das die Arbeit in der Jury beeinflusst?
Dalilah Hamam:
Drei von uns sind Regiestudierende an der HfMDK in Frankfurt, drei sind Regieassistenzen am Staatstheater Mainz. Wir bringen unterschiedliche Prägungen und Interessen mit. Das ergänzt sich gut. Ich glaube, dadurch, dass ich nicht unbedingt aus der Rolle komme, Stücke selbst zu inszenieren, habe ich als Regieassistentin vielleicht anders als bei den Regiestudierenden, unteranderem auch einen starken logistischen und organisatorischen Blick. Ich denke automatisch an technische Umstände, an die Bühnen in Mainz und daran, wie ein Stück dort funktionieren könnte.
Aurélie Feucht: In meinem Regiestudium bekomme ich ständig beigebracht, alles zu hinterfragen. Ich merke, dass ich durch das Studium eine größere Varietät an Theaterabenden gucke und diese weniger nach einer festen Schablone bewerte. Ich habe gelernt, mich zu fragen: Ist das jetzt wirklich schlecht oder einfach nur nicht mein Geschmack?

Welche thematische Linie habt ihr für das Programm gewählt?
Dalilah Hamam: Es geht um junge Themen: um Identität, um Eltern, um persönliche Geschichten, um Suche und Umbruch. Das passt für mich gut zu dem Festival. Es soll ja auch ein safer space sein, in dem junge Regie-Perspektiven Platz haben. Dass das bei der Auswahl so gut zusammengekommen ist, freut mich sehr.

Worüber wurde dabei am meisten diskutiert?
Aurélie Feucht: Ein großes Thema waren die Mittel. Also: Wer hat wie viel Budget, welche Räume, welches Personal, welche Möglichkeiten? Das macht Vergleiche oft schwierig, weil man am Ende Stücke miteinander vergleichen muss, obwohl die Bedingungen so unterschiedlich sind. Wer hat schon studiert, gearbeitet, war schon auf Festivals, hat vielleicht schon Reichweite? Und wen wollen wir stärker fördern, weil die Person noch nicht so viele Möglichkeiten hatte? Das war manchmal wichtiger als das Stück allein.
Dalilah Hamam: Bei manchen Stücken sind wir sehr lange hängen geblieben. Und natürlich spielte auch die Zusammenstellung des restlichen Programms eine Rolle. In den Jurysitzungen schauten wir dann auf den letzten Metern nicht mehr nur noch auf jedes Stück für sich, sondern auch darauf, ob wir schon ähnliche Formen, Erzählweisen oder Texte im Programm haben.

Wie wichtig war die Vielfalt auch in Bezug auf Ausbildungswege?
Aurélie Feucht:
Das war auf jeden Fall ein Kriterium. Nicht alles lässt sich perfekt ausbalancieren, aber uns war wichtig, dass nicht nur Arbeiten von Theaterschulen dabei sind, sondern auch von Leuten, die assistieren oder frei arbeiten.

Welche Aufgaben habt ihr neben der Juryarbeit noch?
Aurélie Feucht:
Wir entwickeln auch Nachgesprächsformate und Vernetzungstreffen. Wir überlegen uns, wie so ein Format aussehen kann, damit es für verschiedene Gruppen funktioniert. Es geht auch darum, Begegnung zu ermöglichen. Kann man anstatt des klassischen Gesprächsschemas mehr Lebendigkeit schaffen? Und wie können wir unterschiedliche Publika mitdenken? Es gibt beim Festival Fachpublikum, Studierende, Leute aus Stadt- und Staatstheatern, aber auch ganz normales Laufpublikum. Da muss ein Nachgespräch so gestaltet sein, dass sich weder die einen noch die anderen ausgeschlossen fühlen.

Steigt schon die Vorfreude auf das Festival?
Dalilah Hamam:
Ich bin gespannt, die Stücke in Person zu sehen. Es wird sicherlich ganz anders als am Laptop. Vor dem Bildschirm sitzt man allein, im Raum spürt man Reaktionen, Atmosphäre, Publikum. Erst dann merkt man wirklich, was die Arbeit auslöst.

Welche Bedeutung hatte das Festival schon vorher für euch?
Dalilah Hamam:
Ich habe das Festival während meines Studiums kennengelernt und fand es sofort spannend, weil es einen Blick darauf gibt, was andere junge Regiepersonen in Deutschland machen. Ich habe zum Beispiel einen inspirierenden Gesprächsabend mit jungen Regisseurinnen gesehen. Solche Begegnungen zeigen für mich, warum das Festival wichtig ist. Es öffnet Gespräche, die man sonst vielleicht nicht führen würde.

Mögt ihr aus dem Nähkästchen plaudern: Gibt es ein Stück, auf das ihr euch besonders freut?
Aurélie Feucht:
Ich möchte da gar nicht eine Inszenierung rausstellen. Denn mir gefällt an dem Festival auch sehr, dass es nicht diesen Wettbewerbscharacter hat. Wir freuen uns auf alles!

 


Aurélie Feucht war 2022/23 als Regieassistenz am Schlosstheater Celle. 2023 begann Aurélie das Studium der Regie an der HfMDK Frankfurt, seit 2024 begleitet vom Ernst Ludwig Ehrlich Stipendium. Im Studium entstanden u. a. eine Überarbeitung von Büchners Lenz am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, sowie die performativ-installative Arbeit KaraKara für das Plurale Festival 2025 in den Documenta-Hallen Kassel.

Dalilah Hamam studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit der Spielzeit 2024/25 als Regieassistentin am Staatstheater Mainz engagiert. Schon seit ihrem Studium legt sie einen besonderen Fokus auf feministische und postmigrantische Themen. Diese Themenschwerpunkte werden auch in ihrem Try out ROOTS am Staatstheater Mainz sichtbar, bei der sie eine Collage zu den Haaren rassifizierter Menschen entwickelte.