Story

Schauspielerin Lea Ruckpaul – Wie massiv die Strukturen in unseren Körpern sind

Im kommenden Heft der jungen bühne präsentieren wir euch ein Interview mit der wunderbaren Schauspielerin Lea Ruckpaul. Hier gibt es schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Künstlerin.

Foto oben: Annette Hauschild/OSTKREUZ
Beitrag von: am 30.07.2021

Lea Ruckpaul wollte erst Regisseurin werden und wurde dann Schauspielerin. Sie liebt es, auf der Bühne sich ganz auf andere Menschen einzulassen. Inzwischen schreibt sie auch selbst Texte für andere Schauspielerinnen und Schauspieler.

Noch während der Theaterschließungen im Frühjahr 2021 traf Redakteur Detlev Baur die Schauspielerin Lea Ruckpaul zu einem Spaziergang am Rhein. Sie sprachen über die Krise des Theaters in der Pandemie, seine Zukunft und über das Geheimnis des Rollenspiels.

Im nächsten Heft der jungen bühne, das im September erscheinen wird, bringen wir ein Interview mit der Schauspielerin. Wir sprachen mit ihr über das Theater in der Pandemie, die Situation des Theaters, ihre Begeisterung fürs Theater und ihre Überzeugung, warum Rollenspiel nicht altmodisch ist: „Wenn ich etwas spiele, was weit von mir weg ist, dann muss ich eine ziemlich große Leistung vollbringen, eine kulturelle Leistung. Deshalb finde ich es toll, mich mit Stoffen zu beschäftigen, die mir nicht so nah sind. Die geschrieben wurden von Menschen, die einen ganz anderen Hintergrund haben als ich. Ich komme sonst ja auch nicht aus meiner eigenen Gedankensuppe raus, wenn da nicht einer ist, der Wellen macht. Ich bin total für Figuren, aber richtig. Das Spiel ist ganz wichtig, weil man darin den Menschen sieht.“

Lea Ruckpaul schreibt auch selbst Texte fürs Theater. Im Oktober wird in Düsseldorf eine „Nibelungen“-Inszeierung Premiere haben, für die Lea Ruckpaul die Schlussszene selbst geschrieben hab. Und hier ein Auszug aus einem Mini-Drama, das Lea Ruckpaul für das Juni-Heft des Theatermagazins Die Deutsche Bühne schrieb. Die Situation beschreibt zwei Menschen vor dem Absturz, irgendwie geht es dabei aber auch um das Theater in der Krise…

Leib2: Ich hab richtig Lust auf Fallen.

Luft, die immer schneller an meinem Körper aufwärtsströmt, stell ich mir vor. So. Während ich durch ihre Schichten falle. Ich glaube, alle Härchen meines Körpers werden sich aufstellen, sodass sie schmerzen, kennst du das?

Leib1: Viel Risiko für ein bisschen Gänsehaut!

Leib2: Ja.

Leib1: Mach dich nicht so schwer.

Kaum kann ich dich halten.

Leib2: So schwer bin ich

Leib1: warst du nie

Leib2: bin ich, wenn ich nicht mehr klammere

Leib1: Ahhhrggg …

(mit vor Kraftanstrengung bebenden Stimme) ist das erste Mal, – geil – das erste Mal, dass mein Körper mir nützt. Geil. Liegestütze nützen.
Warte noch

Leib2: worauf

Leib1: Komm mir ganz nah noch einmal, komm in meine Blutbahn und schwimm.

Leib2: Vor dem Hintergrund, dass Zukunft uns nicht mehr möglich ist, wirst du alt, zwischen meinen Fingern. Als würde deine Haut sich seufzend senken. Solange ich im JETZT mit dir war und das, was sein könnte, sich wie Partikel nach einer Explosion im All in alle Richtungen bis ins Unendliche ausbreitete – solange warst du jung, jetzt hängt dir die Haut der Wangen über das Kinn hinaus. Ist nicht hässlich nur verletzlich, wie diese Haut bebt, wenn du weinst. Gut, dass ich weine, denke ich. Das spült die Pollen aus den Augen, jetzt wo Frühling geworden ist, müssen die raus aus der Schleimhaut, sonst brennts in den Augen gleich in der Flugphase. Will aber alles sehen. Nase heult mehr als die Augen sind das die Birkenpollen oder ist das Schmerz oder oder oder. Irgendeine Form von Leid wird es schon sein. Mitleid mit dir oder Selbstmitleid, ob der Erkenntnis, dass ich ohne dich eine andere sein werde. Du altehrwürdiger rundeckiger Kasten, du Institution, du Schwein, du Ausbeuter und Pseudoermöglicher, du Ort von Erschöpfung und Ekstase, Nachdem ich DICH umarmt habe, fühlen sich all die anderen Körper klein an, du Raum für „auf Neues hoffen“ und „das Alte reproduzieren“, du Zwang, du Ort, an dem ich tiefer atmen kann als sonstwo.

Manchmal.

 

Lea Ruckpaul ist Ensemblemitglied am Düsseldorfer Schauspielhaus.

  • Geboren 1987 in Berlin
  • Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig
  • Ab der Spielzeit 2013/14 Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden
  • 2016/17 Wechsel ans Schauspiel Stuttgart
  • Seit 2018/19 am Düsseldorfer Schauspielhaus
  • vom 7. bis 21. August spielt sie bei den Salzburger Festspielen in „Das Bergwerk zu Falun“

Bald startet der Radikal Blog von junge bühne und Münchner Volkstheater. Bleibt dran!