Transkription und Kürzung des Interviews: Yasmin Wassner und Larissa Probst
Die Dramaturgie fragt, die Philos antworten:
Janina: Mich interessiert, was ihr an der Open Stage als Format spannend findet und vielleicht auch spannender als einfach an einem Stück? Warum habt ihr euch für dieses Format entschieden?
Pina: Also die Idee von einem Stück war immer da. Als ich das erste Mal von FreiRaum gehört habe, habe ich auch gedacht: „Oh mein Gott, wir machen ein Stück. Mega cool, wir schreiben irgendwas und dann führen wir das auf!“. Aber dann haben wir so ein bisschen gesammelt und für mich war die Open Stage das Coolste, weil eine meiner größten Befürchtungen war, dass wir uns nicht einigen können und am Ende nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Bei einer Open Stage können alle etwas Eigenes machen. Das Format ist so offen und es gefällt mir sehr, wenn ich mir vorstelle, dass wir es eher für junge Leute machen. Und da habe ich mir gedacht, dass etwas, das sich für mich irgendwie jung und offen und toll anfühlt, fast schon besser ist als ein Stück.
Foto: Beilul Abraha
Die Philos fragen, die Dramaturgie antwortet:
Amelia: Muss es eurer Auffassung nach ein größeres Überthema geben? Und habt ihr die Open Stage verstanden?
Janina: Ich fand es sehr interessant, dass es unterschiedliche Themen sind, weil ihr eine recht heterogene Gruppe seid, die ganz unterschiedliche Qualitäten mitbringt, und ich hatte das Gefühl, ich sehe von jeder Person ein bisschen was. Und ich glaube, es ist spannend, dass sich die Themen in den Köpfen zusammensetzen, ohne dass ihr explizit aussprechen müsst, was die miteinander zu tun haben. Ich weiß nicht genau, was das mit Verstehen zu tun hat, aber ich hatte jetzt nicht das Gefühl, das ich rausgegangen bin und mich gefragt habe: Was habe ich mir denn da gerade angeguckt?
Christian: Ich finde auch, es war ein super geschickt gewähltes Format für die Gruppe. Und es hat euch sicherlich auch ein bisschen den Diskussionen enthoben, sich nur auf ein Thema zu einigen. Das hätte dann dauern können, bevor ihr so richtig hättet anfangen können. Und ich fand die Verschiedenheit der Formen sehr vielfältig: interaktiv, mit eigenen Texten und Showelementen. Ihr habt wahnsinnig geschickt eine Collage gebaut. Die birgt manchmal auch Herausforderungen, aber hat euch in diesem Fall vor allem ganz viele Möglichkeiten geboten.
Foto: Beilul Abraha
Die Dramaturgie fragt, die Philos antworten:
Christian: Ihr seid ja mit „FreiRaum“ von einem passiven, beratenden Part in einen eher aktiven Part gewechselt und habt jetzt etwas selbst gemacht. Was hat das mit euch gemacht?
Kilian: Ich habe schon ein bisschen Druck gespürt und hatte Sorge, dass man dann schon auch im Mittelpunkt steht. Aber es war gut, dass die erste Präsentation nur vor dem JES-Team und ein paar Angehörigen war, weil ich dadurch entspannter war.
Konstantina: Ich finde es cool, dass wir was selbst machen dürfen. Es ist auch was anderes. Dann ist man auch noch mehr Teil des Theaters, als wenn man zum Beispiel nur Stücke anschaut.
Pina: Es hat sich so angefühlt, als hätte das schon so ein bisschen gewartet. Ich glaube, es ist jetzt mein zweites Jahr bei den Philos und es wirkte so, als hätten wir auf einmal eine Art neue Form. Das fand ich ganz toll und irgendwie auch ganz wichtig. Ich könnte mir fast schon vorstellen, dass es ein Teil von den Philos sein kann, als könnten wir unsere Form wechseln und mal können wir einfach nur zugucken und mal machen wir was Aktiveres. Ich fühle mich so sehr empowert einfach in meiner Rolle als Philo.
Hella: Ich fand es auch ganz toll, dass wir am Anfang ja quasi keine Idee hatten und dann innerhalb dieser paar Tage alles gut entwickeln konnten.
Amelia: Ich finde auch, wir sind mehr zusammengewachsen. Am Anfang wussten wir nichts und dann war es richtig krass, dass alle andere Ideen hatten und Ansatzpunkte. Ich dachte zuerst, es kommen immer die gleichen Gedanken, aber es waren wirklich so verschiedene Themen.
Die Philos fragen, die Dramaturgie antwortet:
Hella: Denkt ihr, es gab einen dramaturgischen Verlauf? Und braucht es den eurer Meinung nach für dieses Format?
Christian: Mein spontaner Gedanke war gerade: Wieso? Es war doch eine Open Stage. Da braucht es doch keine Dramaturgie. Und trotzdem war es natürlich ein inszenierter Abend von euch. Ich hatte schon das Gefühl, es gab einen dramaturgischen Bogen, aber ich könnte den jetzt nicht beschreiben. Und trotzdem hatte ich für mich so ein stimmiges Gefühl. So wie es aufgebaut war.
Janina: Und es gab schon dramaturgische Elemente, da es sehr strukturiert war. Ihr hattet eine klare Form mit den Moderationen, mit einem Anfang, mit einem Ende. Ein dramaturgischer Bogen heißt auch erstmal nicht nur, dass eine klare Geschichte erzählt wird, sondern es heißt auch: Welche Form nimmt es an? Wie strukturiert es sich? Und wie ordnen sich die Inhalte? Auch wenn die Inhalte augenscheinlich erst einmal nicht so viel miteinander zu tun haben müssen. Insofern habe ich schon das Gefühl, dass ihr einen dramaturgischen Verlauf hattet oder dass ihr es offensichtlich geordnet habt nach einem Prinzip.
Das Interview fand ca. drei Wochen nach dem ersten internen FreiRaum-Showing im März 2026 JES statt. Die inszenierte Open Stage wird im Rahmen von „CLUBTOPIA. Junges Theaterfestival“ im Juli 2026 im JES noch einmal vor anderen jungen Menschen präsentiert.
Alle Beiträge im Überblick:
#1: Hey! Wir sind die JES-Philos
#3: Probeneinblick